Astrofotos mit Kamera und Stativ
Eine Kamera mit lichtstarkem Weitwinkel auf dem Stativ – mehr braucht es für die Milchstraße nicht.
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Für eindrückliche Bilder der Milchstraße brauchst du kein Teleskop. Eine Kamera, bei der du Belichtung, Blende und ISO selbst einstellst, ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv und ein stabiles Stativ reichen. Der wichtigste «Zusatz» ist ein dunkler Ort ohne Mond.
Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt
Welche Ausrüstung brauchst du?
- Kamera: Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera mit manuellem Modus (M) und RAW-Format. Ein größerer Sensor rauscht weniger, aber auch ältere Modelle liefern schöne Bilder.
- Objektiv: möglichst kurze Brennweite und große Öffnung. PhotoPills empfiehlt unter 35 mm, ideal 14 bis 24 mm, bei Blende f/1,4 bis f/2,8.
- Stativ: stabil und windfest. Hänge bei Wind die Kameratasche an den Mittelhaken.
- Fernauslöser oder der 2-Sekunden-Selbstauslöser, damit nichts verwackelt.
- Rotlicht-Stirnlampe, damit deine Augen dunkeladaptiert bleiben – siehe Rotlicht.
Die Einstellungen
PhotoPills fasst die Grundeinstellungen für die Milchstraße so zusammen:
| Einstellung | Startwert |
|---|---|
| Modus | Manuell (M) |
| Brennweite | so kurz wie möglich, ideal 14–24 mm |
| Blende | offen, f/1,4 bis f/2,8 |
| Belichtungszeit | nach NPF-Regel, meist 8 bis 20 Sekunden |
| ISO | 3200 bis 6400 |
| Weißabgleich | 3900 K (im RAW später anpassbar) |
| Dateiformat | RAW |
Mach danach ein Testbild, vergrößere es am Display und prüfe Schärfe und Histogramm. Ist das Bild zu dunkel, erhöhe zuerst die ISO – nicht die Belichtungszeit.
Wie lange belichten? 500er- und NPF-Regel
Die Erde dreht sich – belichtest du zu lange, werden aus Sternen kurze Striche. Zwei Faustregeln helfen:
Die 500er-Regel: 500 geteilt durch die Brennweite ergibt die längste Belichtung in Sekunden. Bei 20 mm sind das 25 Sekunden. Für heutige hochauflösende Sensoren ist sie oft zu großzügig: Bei genauem Hinsehen sind die Sterne schon leicht länglich.
Die NPF-Regel hat der französische Fotograf und Amateurastronom Frédéric Michaud für die Astronomische Gesellschaft Le Havre entwickelt. Sie berücksichtigt Blende (N), Pixelgröße (P) und Brennweite (F), dazu die Auflösung und die Himmelsregion. Ein Beispiel von National Parks at Night: Eine Nikon Z 6 mit 15-mm-Objektiv bei f/2,8 ergibt nach NPF rund 17 Sekunden, für ganz punktförmige Sterne sogar nur knapp 9 Sekunden. Die 500er-Regel käme bei 15 mm auf über 33 Sekunden.
Ausrechnen musst du das nicht von Hand: Foto-Apps wie PhotoPills berechnen die NPF-Zeit für deine Kamera.
Wie stellst du scharf?
Autofokus versagt im Dunkeln. PhotoPills empfiehlt, auf die hyperfokale Distanz zu fokussieren – dann ist alles von der halben Distanz bis unendlich scharf. Alternativ stellst du im Live-View mit Bildschirmlupe manuell auf einen hellen Stern scharf, bis er so klein wie möglich ist. Klebe den Fokusring danach mit etwas Klebeband fest.
Wann und wo?
- Ohne Mond: Plane um Neumond – den Mondkalender findest du im Himmelskalender.
- Dunkel: Fahre weg von Städten. Tipps für Deutschland stehen unter Dunkle Orte in Deutschland.
- Die Milchstraße: Wann ihr hellster Teil gut steht, erfährst du im Steckbrief Milchstraße.
Wann lohnt sich ein Star Tracker?
Ein Star Tracker ist eine kleine, motorisierte Nachführung, die zwischen Stativ und Kamera kommt. Sie dreht die Kamera mit dem Himmel mit. Dadurch kannst du deutlich länger belichten oder ein Teleobjektiv verwenden, ohne dass die Sterne verwischen.

Damit das klappt, muss die Achse des Trackers genau auf den Himmelspol zeigen – das erklärt die Seite Polausrichtung. Ein Beispiel für ein Gerät zwischen Tracker und kleiner Montierung ist der Sky-Watcher Star Adventurer GTi: Er trägt laut Hersteller bis 11 Pfund (rund 5 kg), wiegt selbst 5,7 Pfund (rund 2,6 kg), hat einen beleuchteten Polsucher und lässt sich per App steuern.
Sternspuren
Willst du Sternspuren statt Punkte? Dann machst du vom Stativ aus über längere Zeit viele Bilder hintereinander und setzt sie in der Software zusammen – siehe Bilder nachbearbeiten. Richte die Kamera nach Norden, dann ziehen die Sterne Kreise um den Polarstern.
Häufige Fragen
Was ist die 500er-Regel?
Welche ISO-Einstellung brauche ich für die Milchstraße?
Brauche ich einen Star Tracker?
Quellen (3)
- PhotoPills: Milky Way photography settings (abgerufen 14.10.2026)
- National Parks at Night: NPF – The New Rule for Shooting the Sharpest Stars in the Sky (abgerufen 14.10.2026)
- Sky-Watcher: Star Adventurer GTi (Datenblatt) (abgerufen 14.10.2026)
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