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Sicher in die Sonne schauen

Nie ohne geeigneten Filter – so beobachtest du Sonnenflecken und Finsternisse sicher.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Die Sonne mit Sonnenflecken im Weißlicht
Bild: NASA/SDO/HMI, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Sonne ist das einzige Himmelsobjekt, das dir beim Beobachten gefährlich werden kann. Ein ungeschützter Blick durch ein Fernglas oder Teleskop kann in Sekundenbruchteilen bleibende Schäden an der Netzhaut verursachen. Mit der richtigen Ausrüstung ist Sonnenbeobachtung aber sicher – und spannend: Sonnenflecken verändern sich von Tag zu Tag, und eine Finsternis ist ein Erlebnis für die ganze Familie.

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Warum ist die Sonne so gefährlich?

Jeder Teil der Sonnenoberfläche ist so hell, dass er die Netzhaut verbrennen kann. Ein Fernglas oder Teleskop bündelt dieses Licht zusätzlich. Tückisch ist: Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren. Laut der amerikanischen Fachgesellschaft für Kinderaugenheilkunde (AAPOS) spürst du die Verletzung deshalb nicht, während sie entsteht; typische Folgen wie ein «blinder Fleck» zeigen sich erst Stunden später. Auch während einer partiellen Finsternis, wenn nur noch eine Sichel übrig ist, bleibt die Sonne gefährlich hell – ungeschützt darfst du nur während der kurzen Totalität einer totalen Finsternis hinschauen.

Welche Methoden sind sicher?

1. Sonnenfinsternisbrillen und Handfilter nach ISO 12312-2

Für den direkten Blick mit bloßem Auge brauchst du eine Sonnenfinsternisbrille oder einen Handfilter, der die internationale Norm ISO 12312-2 erfüllt. Die AAS empfiehlt, solche Brillen bei geprüften Anbietern zu kaufen.

  • Vor jedem Gebrauch prüfen: Ist die Folie zerkratzt, gelöst, gelocht oder sonst beschädigt, wirf die Brille weg.
  • Richtig anwenden: Brille aufsetzen, bevor du zur Sonne schaust, und erst abnehmen, nachdem du weggeschaut hast.
  • Nie mit Instrument: Eine Finsternisbrille ist nur für das bloße Auge. Nicht durch Fernglas, Teleskop oder Kamera-Sucher damit schauen.
Partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026, durch eine Finsternisbrille gesehen
Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 durch eine Finsternisbrille – sie ist nur für das bloße AugeBild: YosemiteYamper, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

2. Objektivsonnenfilter vor der Öffnung

Für Fernglas, Teleskop und Kamera gibt es spezielle Sonnenfilter, die vorne vor die Öffnung gesetzt werden. So gelangt das gefährliche Licht gar nicht erst ins Instrument. Die AAS nennt drei Bauarten, die alle wirksam sind:

Filterart Eigenschaften
Glas mit Metallbeschichtung meist am robustesten, aber am teuersten
Aluminiumbeschichtete Polyesterfolie (oft «Mylar» genannt) leicht und günstig, empfindlich gegen Kratzer
Schwarzes Polymer günstig, oft mit metallbeschichteter Seite

Wichtig:

  • Der Filter muss genau passen und fest sitzen – ein Windstoß darf ihn nicht wegwehen.
  • Bei einem Fernglas brauchen beide Objektive einen Filter.
  • Auch hier gilt: vor jedem Gebrauch auf Löcher, Kratzer und Beschädigungen prüfen.
  • Verwende nur Filter, die ausdrücklich für dein Instrument und für die Sonne gemacht sind. Mehr zu Filtern unter Filter.

3. Projektion

Lochkamera: Ein kleines Loch in einem Karton projiziert ein Bild der Sonne auf ein Blatt Papier oder den Boden. Auch die Lücken zwischen gekreuzten Fingern, ein Küchensieb oder das Blätterdach eines Baums wirken so – während einer Finsternis siehst du dann viele kleine Sonnensicheln. Stell dich mit dem Rücken zur Sonne und schau auf das projizierte Bild, nie durch das Loch.

Viele kleine Sonnensicheln im Blätterschatten während einer partiellen Sonnenfinsternis
Das Blätterdach wirkt wie viele Lochkameras: Während einer partiellen Sonnenfinsternis erscheinen am Boden lauter kleine SonnensichelnBild: B137, CC0, Quelle: Wikimedia Commons

Projektion mit Fernglas oder Teleskop: Das Sonnenbild wird durch das Okular auf einen weißen Schirm geworfen. Die ESA beschreibt diese Methode: Sucher abdecken, bei Ferngläsern eine Seite verschlossen lassen, Schirm so weit weg halten, bis das Bild etwa tellergroß ist, dann scharf stellen. Die AAS rät aber nur Erfahrenen dazu, die ihr eigenes Gerät nutzen und es nie unbeaufsichtigt lassen: Das gebündelte Licht kann das Instrument beschädigen – verkittete Okulare können durch die Hitze Schaden nehmen –, und jemand könnte in den hellen Lichtstrahl schauen.

4. H-Alpha-Sonnenteleskope

Spezielle Sonnenteleskope lassen nur einen sehr schmalen Bereich des roten Lichts durch, die sogenannte H-Alpha-Linie des Wasserstoffs bei 656 nm. Damit siehst du nicht nur Sonnenflecken, sondern die Sonnenatmosphäre mit Protuberanzen am Sonnenrand. Diese Geräte sind fest für die Sonne gebaut und enthalten mehrere Filterstufen. Sie sind teuer – eine gute Möglichkeit, sie auszuprobieren, sind Sonnenbeobachtungen von Sternwarten.

Was du nie verwenden darfst

Kinder und Gruppen

  • Kinder immer beaufsichtigen, wenn sie Finsternisbrillen oder Sonnenfilter benutzen – das betonen NASA, AAS und ESA übereinstimmend.
  • Teleskop nie unbeaufsichtigt auf die Sonne gerichtet stehen lassen – auch nicht für eine Minute.
  • Vor jedem Blick kontrollieren: Sitzt der Filter? Ist der Sucher abgedeckt?
  • Bei Veranstaltungen ein Teleskop pro Betreuungsperson, klare Regeln, und Neugierige nicht selbst am Gerät drehen lassen.

Haut nicht vergessen

Beim Beobachten stehst du oft lange in der Sonne. Die NASA erinnert daran, auch an Sonnencreme, Hut und schützende Kleidung zu denken.

Termine für die nächsten Sonnenfinsternisse in Deutschland findest du unter Finsternisse.

Häufige Fragen

Reicht eine sehr dunkle Sonnenbrille?
Nein. Gewöhnliche Sonnenbrillen sind nicht sicher, egal wie dunkel sie sind – sie lassen viel zu viel Licht durch. Für den direkten Blick brauchst du eine Sonnenfinsternisbrille nach ISO 12312-2.
Kann ich mit der Finsternisbrille durchs Fernglas schauen?
Auf keinen Fall. Das gebündelte Sonnenlicht brennt durch die Folie der Brille und verletzt das Auge schwer. Fernglas und Teleskop brauchen einen eigenen Filter vorne vor der Öffnung.
Merke ich es, wenn meine Augen Schaden nehmen?
Nicht sofort. Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, die Verletzung entsteht daher ohne Warnsignal. Beschwerden wie ein blinder Fleck oder verzerrtes Sehen zeigen sich erst nach einigen Stunden. Dann sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Darf ich bei einer totalen Sonnenfinsternis ohne Filter schauen?
Nur während der kurzen Totalität, wenn der Mond die Sonne ganz bedeckt. Sobald wieder ein Teil der Sonne hervorkommt, sofort die Brille aufsetzen. Bei einer partiellen oder ringförmigen Finsternis gibt es keinen sicheren Moment ohne Filter.

Quellen (11)

  1. NASA Science: Eclipse Safety (abgerufen 14.10.2026)
  2. American Astronomical Society: How to View a Solar Eclipse Safely (abgerufen 14.10.2026)
  3. American Astronomical Society: Solar Filters for Optics – Telescopes, Binoculars & Cameras (abgerufen 14.10.2026)
  4. American Astronomical Society: Indirect Solar Viewing – Pinhole & Optical Projection (abgerufen 14.10.2026)
  5. ESA: Safety tips for observing the Sun (abgerufen 14.10.2026)
  6. Stalmans P. u. a.: How to protect your eyes from solar retinopathy. Bull. Soc. belge Ophtalmol. 272 (1999), 93–100 (abgerufen 14.10.2026)
  7. J. M. Pasachoff (Williams College): How to Observe the Solar Eclipse (abgerufen 14.10.2026)
  8. Eclipse2024.org: I have a department-store telescope with a 'solar filter' – can I use that to look at the Sun? (2019) (abgerufen 14.10.2026)
  9. Wikipedia: Sonnenbeobachtung (ergänzend) (abgerufen 14.10.2026)
  10. Wikipedia: Hydrogen-alpha (ergänzend) (abgerufen 14.10.2026)
  11. AAPOS (American Association for Pediatric Ophthalmology and Strabismus): Solar Retinopathy (abgerufen 14.10.2026)

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